Für sozialpädagogische Fachkräfte

pinsel 150

 

 

Eine sich selbst reflektiernde Haltung gehört nicht nur zum selbstverständlichen Standard
in der sozialen, pädgogischen und pflegerischen Arbeit,
sondern ist eine wesentliche Kernkompetenz professioneller Praxis.

Präsentation

Drei Thesen zu den besonderen Aufgaben und Anforderungen von und an Adoptiveltern

Thesenpapier I. Roscher

BINDUNGSFÄHIGKEIT

Um dem Kind Halt geben zu können, sollten Adoptiveltern besonders bindungsfähig sein.

Das beinhaltet z.B.:

bg2die Perspektiven anderer (Kind, Partner/in, leibliche Eltern,…) einnehmen können.

bg2einfühlsam und feinfühlig im Umgang mit anderen (Kind, Partner/in, leibliche Eltern,…) und sich selbst zu sein.

bg2eine hohe Frustrationstoleranz und sicheren Halt in den eigenen Beziehungen und Bezügen

bg2ein gutes Selbstreflektionsvermögen (für angemessene, offene und klare Reaktionen auf die immer wiederkehrenden, stark ausgeprägten Themen/Verhaltensweisen der Kinder, wie z.B.: Überängstlichkeit in neuen Situationen, Verlassenheitsängste, erhöhtes Aufmerksamkeitsbedürfnis, geringer Selbstwert in der Pubertät, Schwierigkeiten in sozialen Kontakten, …)

bg2offen, klar, angemessenen, themen- und situationsrelevant und personenzentriert kommunizieren können.

WERTSCHÄTZENDER UMGANG MIT DEM FREMDEN

Damit das Kind sich in seiner Einzigartigkeit entfalten kann, braucht es Adoptiveltern, die besonders wertschätzend mit dem Fremden, dem noch nicht Bekannten umgehen können.
Dies verlangt von Adoptiveltern besondere Anpassungsleistungen und Fähigkeiten zur Veränderung.

Die Erfüllung des lang ersehnten Wunsches nach einem Adoptivkind entzieht sich der Kontrolle der Adoptivbewerber. Als Adoptivbewerber leben sie im „Standby Modus“: jederzeit kann ein Kind (Alter unklar) mit seiner eigenen, unbekannten Geschichte kommen oder aber auch gar nicht.

Die aktive Übernahme der Adoptivelternrolle erfolgt dann überaus schnell. Ebenso die Verabschiedung aus beruflichen Rollen. Der eigene Gestaltungsspielraum ist relativ klein.

Die Rolle der Adoptiveltern ist eine quasi professionelle Tätigkeit. Am Anfang erfordert sie ein feinfühliges Wahrnehmen und Reagieren auf ein Kind in einer Trennungssituation. Später gilt es, das Kind altersangemessen, sensibel und mit Wertschätzung den fremden Wurzeln gegenüber zu begleiten.

Zwei einander fremde Welten ohne gemeinsame Vorgeschichte treffen aufeinander und beeinflussen und verändern sich gegenseitig.

KLARE UND SICHERE IDENTITÄT ALS ADOPTIVFAMILIE

Adoptiveltern sollten ein klares Bild von sich als Adoptivfamilie haben und flexibel auf die Zuschreibungen des sozialen Umfeldes reagieren können.

Die strukturelle Besonderheit der Adoptivfamilie erfordert von den Adoptiveltern eine interpretative Bearbeitung hinsichtlich ihrer Identität als Eltern.

Zusätzlich stellt sich die Frage, welche Relevanz die Familiengründung durch Adoption für die Interaktionspartner (z.B. Erzieherinnen, Lehrerinnen, Nachbarn, Freunde,…) haben soll.

Zunächst liegt die Deutungshoheit (Wir sind eine Adoptivfamilie - wer erhält wann von wem welche Informationen dazu?) allein bei den Adoptiveltern. Später muss das Kind an der Deutungshoheit beteiligt sein.

Zum Seitenanfang